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Eigenes Berufsbild für den Krankentransport?

Der Mangel an Fachkräften ist signifikant.

Ob Krankentransport oder Rettungsdienst - der Personalmarkt ist hart umkämpft. Als Fachausbilder für den qualifizierten Krankentransport, Dozent und Mentor werde ich immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Leider gibt es für diese globale Problematik keine Pauschallösung. Die Rettungsdienste unterliegen regionalen Gesetzen. Hinsichtlich dieser verschiedenen gesetzlichen Grundlagen ist der Wunsch nach einem überregionalen Patentrezept illusorisch. Deshalb sind die einzelnen Bundesländer in der Pflicht, eigenverantwortlich Maßnahmen zu ergreifen, um diesem Mangel entgegenzuwirken - und zwar sofort.

Eine Trennung wäre sinnvoll.

Obwohl sich Krankentransport und Rettungsdienst in ihren Aufgaben erheblich unterscheiden, verlaufen die Fähigkeitsprofile ineinander. Ein Rettungssanitäter, Rettungsassistent oder Notfallsanitäter darf grundsätzlich in beiden Fachbereichen tätig werden - selbstverständlich unter Berücksichtigung der jeweiligen Kompetenzzonen. Trotz aufgabenbezogener Überschneidungen im Tätigkeitsfeld ist eine Trennung sinnvoll. Der qualifizierte Krankentransport benötigt eigene Fachkräfte mit erweiterten Ausbildungsschwerpunkten, die auf das Aufgabenfeld zugeschnitten sind. Anders als im Rettungsdienst steht hier nicht das Abarbeiten fester Schemata am Notfallpatienten im Vordergrund, sondern das Erkennen von Krankheitsbildern und die daraus resultierenden pflege- und kommunikationsspezifischen Maßnahmen am Patienten ohne kritischen Status. Wesentlich sind hier die Behandlungs- und Grundpflegefähigkeiten sowie eine hohe Kommunikations- und Sozialkompetenz. Zweifelsohne spielen die notfallmedizinischen Aspekte ebenfalls eine wichtige Rolle - denn auch Notfälle auf Krankentransportwagen kommen vor und müssen adäquat bewältigt werden.

Zwei Fachbereiche mit jeweils eigenen Qualifikationen/Berufsausbildungen beruhigen den Personalmarkt und fördern den Zusammenhalt.

Wir benötigen dringend eine Weiterentwicklung im Krankentransport. Die Trennung beider Fachbereiche wäre sinnvoll und würde zu einer interessenorientierten und übersichtlicheren Struktur führen - und somit personalfreundlicher sein. Zudem würde man dem Konkurrenzverhalten entgegenwirken und das gegenseitige Ansehen steigern. Adieu Rettungsdienst zweiter Klasse.

Über den Autor
Christopher Kern, MedPäd i.S. RM ist Bildungsexperte für Rettungsmedizin und Schulleiter an der KERN Bildungsgesellschaft. Seine Leidenschaft sind prägnante und aussagekräftige Blogbeiträge, um das Angebot der KERN Bildungsgesellschaft mit fundierten Informationen zu beleuchten und Schwerpunktthemen zu behandeln. Herr Kern beschäftigt sich in seinen Beiträgen auch mit pädagogischen Strategien für eine optimierte Lehre im Bereich Rettungsmedizin.